Gelesen: Yumi and the Nightmare Painter
Es ist jetzt schon ein paar Wochen her, als ich das dritte Buch von den Secret Projects von Brandon Sanderson gelesen habe, damals – also vor knapp vier Wochen, hatte ich noch Urlaub. Oh war das eine schöne Zeit gewesen. So viel gelesen wie schon lange nicht mehr, in so vielen Welten eingetaucht, neues entdeckt und vor allem meinen Lieblings-Autor noch mehr lieben gelernt.
Die Rede ist natürlich weiterhin von Brandon Sanderson, denn ich habe „Yumi and the Nightmare Painter“ beendet, ein Buch welches viel zu lange – um genau zu sehr extrem lange, auf meinem Stapel angefangen lag.
Habe mir also das Buch erneut geschnappt und noch mal von vorne begonnen. Es war eine gute, wenn nicht sogar grandiose, Entscheidung von mir gewesen. Ich bin mir auch gar nicht mehr sicher, wieso ich das Buch damals nicht weitergelesen habe. Nach knapp hundert Seiten, lag es einige Monate auf meinem Stapel. Hatte davor die anderen beiden Bücher „Weit über der smaragdgrünen See“ und „Handbuch für den genügsamen Zauberer: Überleben im mittelalterlichen England“ gelesen, zu denen ich übrigens ebenfalls jeweils einen Beitrag geschrieben hatte, nämlich hier und hier.
Darum geht es in „Yumi and the Nightmare Painter“
Albträume sind gefährlich. Dies ist zumindest dem jungen Maler – wie er genannt wird, bewusst. Denn er geht einem ganz besonderen Beruf nach, einem Beruf, den wir nicht wirklich als normal erachten würden. Er ist ein Maler, okay bei uns gibt es ebenfalls Maler – aber wir reden hier von einer ganz anderen Sorte, denn er sorgt dafür das sich Albträume nicht zu einer Gefahr entwickeln.
Mit Albträume sind hier auch nicht die gemeint, die von uns im Schlaf besucht werden, nein. Vielmehr sind damit schattenartige Gestalten gemeint, die durch die Straßen laufen und den Menschen gefährlich werden können, zumindest die Albträume die sich nach und nach festigen. Seine Aufgabe ist dabei relativ einfach, wenn auch sehr gefährlich. Er muss die Albträume malen, am besten ohne von diesen entdeckt zu werden, gewinnt dabei letztendlich die Kontrolle über diese unheimlichen Wesen, die aus dem Schleier kommen.
Yumi hingegen führt ein relativ einsames Leben, als eine Dienerin der Geister. Wir normalen Menschen würden dies vermutlich eher als Gefangenschaft ansehen, für sie scheint dies jedoch eher eine Ehre zu sein oder zumindest glaubt sie zu meinen, dies als Ehre zu empfinden zu müssen. Ihr ganzer Tag ist wie ein Ritual. Sie wäscht sich nicht und sie isst nicht selber. Tätigkeiten die einem normalen Menschen würdig ist, aber nicht ihr, denn sie soll sich auf wichtigeres konzentrieren. Sie soll Geister beschwören, die dem Volk wiederum dienen. So verwandeln sich Geister zum Beispiel in nützliche Gegenstände.
Zwei verschiedene Leben, zwei verschiedene Personen und zwei verschiedene Welten. Während Maler in einer relativ düsteren Welt lebt, dank dem Schleier, befindet sich Yumi in einer Welt, die von einer kräftigen Sonne ordentlich wärme spendiert bekommt – wirklich sehr viel Wärme, der Boden lässt sich ohne Schuhe gar nicht berühren, da würde sich jeder sofort die Füße verbennen.
Auch wenn ihre Leben unterschiedlicher nicht sein können, scheint es eine Art Verbindung zwischen den beiden zu geben. Eines Tages passiert etwas gar unmögliches. Unser junger Freund Maler befindet sich auf einmal in Yumis Körper, während ihr Geist sich außerhalb ihres Körpers befindet. Maler ist plötzlich sie und sie ist auf einmal nur noch eine Zuschauerin. Die Geister hatten dies angekündigt, sie benötigten dringend Hilfe und Maler scheint eine Art Krieger, ein Held zu sein, der Yumi und den Geistern helfen könnte.
Die Charaktere
Yumi und Maler sind grundverschieden. Während Yumi sehr zielstrebig ist und all das tut, was von ihr in ihrer Welt verlangt wird, ist Maler eher ein kleiner Rebell. Maler hat keine wirkliche Lust sich vorschreiben zu lassen, was er zu tuen hat.
Yumi ist sehr streng, vor allem zu sich. Die befolgt Befehle und glaubt an das, was ihr beigebracht wurde. Auf ihrer schultert eine riesige Last, die Last der ganzen Bevölkerung ihrer Welt. Die Menschen sind auf sie angewiesen, würde sie keine Geister mehr beschwören, wäre dies nicht sonderlich gut. Dennoch ist Yumi stets sehr lieb und zuvorkommend, teilweise auch etwa naiv – wobei naiv vielleicht das falsche Wort ist. Sie kennt es letztendlich nicht anders und lebt seit vielen Jahren in eine Art Gefangenschaft, wo sie noch nicht mal selber Baden oder Essen darf.
Maler hingegen wirkt eher wie jemand, der auf nichts Lust hat. Dies wird schnell im Buch klar. Er malt immer das Selbe und anscheinend hat er eine Vorliebe für Bambus, denn diesen malt er besonders gern. Er selber ist ein Einzelgänger. Hält sich von den anderen Malern fern, auch wenn diese versuchen einen Schritt auf ihn zu gehen, er selber schafft einen großen Abstand zwischen sich und den anderen. Auch er scheint sein Päckchen tragen zu müssen.
Yumi and the Nightmare Painter ist eine wunderschöne und emotionale Geschichte
Yumi and the Nightmare Painter ist ein Buch, welches sich von allen anderen Bücher – habe allerdings auch erst sechs Bücher von ihm gelesen, von Brandon Sanderson abhebt. Es vereint Fantasy, mit Romance aber auch leichten Sci-fi Elemente. Vor allem Japan Fans kommen hier auf seine Kosten, man verspürt schon ein leichtes Japan-Feeling in dem Buch.
Dennoch, dass Buch benötigt ein paar Seiten bis es Fahrt aufnimmt. Es wird nicht sofort klar, in welche Richtung das Buch geht, was letztendlich auch nichts schlechtes ist, ganz im Gegenteil. Es ist gut, dass einem nicht sofort klar wird, in welche Richtung das Buch gehen wird, aber hier benötigt Brandon Sanderson eine ganze Weile, bis die Geschichte endlich voran geht.
Das liegt vor allem daran das der Anfang dazu genutzt wird, ausführlich über die Charaktere und vor allem über Yumi zu schreiben und zu erklären was die beiden Charaktere so verschieden macht.
Zur Mitte hin wird das Buch aber so unfassbar gut, dass ich mich kaum aus seinem Bann ziehen konnte. Die Geschichte wird ab einem gewissen Punkt immer spannender und emotionaler. Als Leser:in bekommt man die Entwicklung der einzelnen Charaktere immer deutlicher zu spüren, vor allem die Verbundenheit zwischen den beiden Protagonisten. Ich liebe es vor allem das es Brandon Sanderson schafft den Romance Teil des Buches nicht so extrem in den Vordergrund zu packen, sondern eher subtiler in den Kontext baut. So ist das Buch eben auch für diejenigen gut geeignet, die mit Romance nicht sonderlich viel am Hut haben und für all diejenigen, die ohne nicht können, kommen dennoch auf ihre Kosten.